Gabel-Offset

Lenkgeometrie

Geometrie

Zu den konstruktiven Größen, die beim Motorrad wesentlich die Fahrstabilität und Handlichkeit bestimmen, gehören der Nachlauf und der Lenkkopfwinkel.

Der Lenkkopfwinkel oder auch Steuerkopfwinkel ist der Winkel, den die Lenkachse mit der Waagerechten bildet.

Als Nachlauf wird der Abstand zwischen dem Schnittpunkt der Lenkachse mit der Fahrbahnoberfläche und dem Radaufstandspunkt bezeichnet. Er wird bestimmt vom Lenkkopfwinkel und dem Achsversatz. Der Achsversatz ist der Abstand zwischen Lenkachse und Vorderrad-Achse und setzt sich zusammen aus dem Versatz in der Gabelbrücke und dem Versatz in den Gabelfäusten.


SMC Enduro

Hier unterscheiden sich die Modelle Enduro und SMC. Während bei der SMC (Bild links) die Vorderachse direkt unter dem Gabelholm sitzt, hat die Enduro (Bild rechts) einen erkennbaren Offset in der Gabelfaust.

Dieser Unterschied wird in der Gabelbrücke wieder ausgeglichen. Die Enduro und Enduro R haben in der Gabelbrücke einen Versatz von 22 bzw. 24 mm. Bei der SMC beträgt der Versatz in der Gabelbrücke 32 bzw. 34 mm, also 10 mm mehr.

Einstellbarer Offset

KTM hat in der 690 Enduro (R) und in der 690 SMC wie bei ihren neueren Sportenduros die Möglichkeit vorgesehen, den Versatz in der Gabelbrücke um 2 mm zu verstellen. Dazu ist das Gabelschaftrohr im Lenkkopflager exzentrisch geschliffen. Durch verdrehen des Gabelschafts um 180 ° kann die Gabelbrücke um 2mm nach vorn, bzw. hinten verstellt werden. Gabelbrücke nach vorn, d.h. mehr Versatz bedeutet weniger Nachlauf, das Fahrzeug wird wendiger. Nach hinten bringt mehr Nachlauf, das Fahrzeug wird spurstabiler.

Im Gegensatz zu den Sportenduros hat KTM dieses nette Feature bei den 690 Modellen leider nicht dokumentiert und selbst manchen offiziellen KTM Händlern ist nicht bekannt, daß das auch bei den 690ern möglich ist. Ich hoffe, daß KTM nicht irgendwann dieses nette Feature aus Kostengründen ersatzlos streicht.

Aber: Das Verstellen des Gabel-Offsets macht erst Sinn, wenn die Federung, d.h. der Durchhang richtig eingestellt ist. Ein falsch eingestellter Fahrtdurchhang kann Wendigkeit und Geradeausstabilität mehr beeinflussen, als der Gabel-Offset.

Verstellen des Gabelversatzes

Offset1.jpg Werkseitig war bei mir ein Versatz von 24 mm für mehr Wendigkeit eingestellt. Erkennen kann man das an einer Markierung am Gabelschaftrohr. Dazu lockert man die Klemmschraube am Gabelschaft und schraubt die große Steuerkopfschraube aus dem Lenkkopflager. Zeigt die Markierung nach hinten, hat die Gabelbrücke einen Versatz von 24 mm (34 mm bei der SMC). Zeigt die Markierung nach vorn, ist der Offset 22 mm (32 mm bei SMC).
Aber Vorsicht: Wird diese Schraube geöffnet, muß das Steuerkopflager wieder neu eingestellt werden. Keinesfalls die Schraube einfach anziehen.
Offset2.jpg Zum Verstellen nimmt man das Vorderrad und die beiden Gabelrohre ab. Der Kotflügel ist von unten mit 4 Schrauben in die untere Gabelbrücke geschraubt. Den Bremssattel sollte man anhängen, nicht einfach am Schlauch baumeln lassen.
Offset3.jpg Unter der Lampenmaske ist die Ralais-Trägerplatte noch mit 2 Schrauben in der unteren Gabelbrücke befestigt. Diese müssen auch raus, damit man die Gabelbrücke ab bekommt.
Offset4.jpg Nun kann die Steuerkopfchraube an der unteren Gabelbrücke geöffnet werden. Einfach die Gabelbrücke gegen den Lenkanschlag drehen und die Schraube aufdrehen. Jetzt kann die untere Gabelbrücke abgenommen werden. Dazu sollte besser nochmal die obere Steuerkopfschraube im Gabelschaftrohr eingedreht sein, sonst flutscht der ganze Gabelschaft mit heraus.
Offset1.jpg Wenn die Klemmschraube in der oberen Gabelbrücke genug gelockert ist, kann das Gabelschaftrohr am unteren Ende verdreht werden. Bei mir ging das wunderbar mit der Hand. Wenn es hart geht, kann man auch die untere Gabelbrücke wieder auf die Abflachung stecken und damit drehen. Die obere Gabelbrücke kann samt Lenker in Position bleiben.
Offset7.jpg Nach dem Verdrehen weist die Markierung im Gabelschaftrohr nach vorne. Nun kann wieder alles in umgekehrter Reihenfolge zusammengebaut werden. Die untere Steuerkopfschraube und die Schrauben des Kotflügels sollten mit Schraubensicherung gesichert werden. Mit der oberen Steuerkopfschraube muß das Spiel im Lenkkopflager, wie im Handbuch beschrieben, wieder eingestellt werden.